Lang lebe der Print!

Das Zeitalter der Blogs und die schier unbegrenzten Informationsquellen des Internets lassen die Verlage um ihre Leserschaft bangen. Immerhin hat uns diese Entwicklung auch unzählige Nischen-Magazine zu jedem erdenklichen Thema beschert. Die Kurzlebigkeit hat damit aber auch in dieser Branche Einzug gehalten und so muss man doch verrückt sein, sich als Jungschreiberling ausgerechnet dem Print an den Hals zu werfen!? Nun ja, Print hat mein Herz erobert und die rosarote Brille sitzt fest auf meiner nicht ganz instagramable-geraden Nase.

Es ist nun schon Jahrzehnte her, dass das Fernsehen unsere Gesellschaft erobert hat. Und trotzdem nehme ich in Zeiten der Podcasts und Streams noch ein Buch zur Hand. Aus Pflichtbewusstsein gegenüber meines Berufswunsches? Nein, es ist eher die Magie der Zeilen schwarz auf weiß, die meinen Berufswunsch zur unvermeidlichen Folge hatten. Lesen lässt keinen Platz für anderes. Ich kann nicht nebenbei den Instagram Feed herabeilen, noch schnell den Wäschestapel beiseite schaffen oder nach den neusten Zalando-Schnäppchen suchen. Da sind nur ich und das Buch. Es erfordert die bewusste Entscheidung, die nächsten Minuten, vielleicht sogar Stunden, nur diesem Inhalt zu widmen.


Nun könnten die kritischen Leser bemerkt haben, dass dies gewiss auch für die digitalen Zeilen des World Wide Web gilt. Klar, auch hier konzentrieren wir uns nur auf einen unserer Sinne und reduzieren die Eindrücke, die sonst so erbarmungslos auf uns einprasseln. Auf meiner Zeitschrift ploppt allerdings keine piepende Benachrichtigung auf, dass irgendein Unbekannter einen tollen Facebook-Freund abgeben würde.


Nun haben Ästhetik und Idealismus ihren großen Auftritt. Natürlich werden auch die Layouts und die Aufbereitung von Blogs immer aufwändiger, aber nicht einmal die schönste Fotostrecke wird auf einem Bildschirm jemals an einen hochwertigen Druck heranreichen. Und welches Papier erst? Matt, hochglanz, dick, dünn? Die Welt außerhalb des World Wide Web hält viele Stilmittel bereit, die sorgfältig ausgewählt werden. Wenn ich dann ein Druckerzeugnis durchgelesen habe, landetet es zu 90 % nicht in der Altpapiertonne, sondern liebevoll eingereiht neben seinen Artgenossen. Mir ist diese Wertschätzung der journalistischen und kreativen Arbeit besonders wichtig. Ein Blogpost kann ich vielleicht mit einem Kommentar honorieren, doch es wird selten der Fall sein, dass mir diese Zeilen nochmal in meinem Leben begegnen.


Und diese Schnelllebigkeit führt von beiden Seiten zum Leichtsinn und zu Fehlern. Wenn ich ein paar Euro beim Kiosk meines Vertrauens über den Tresen reiche, kaufe ich damit nicht nur ein paar vergnügliche Stunden, sondern auch ein Versprechen für Qualität. Ein Verleger kann sich bei den harten wirtschaftlichen Bedingungen für Print Magazine keinen Schund und keine Fehler leisten. Was gedruckt ist, kann nicht verbessert oder gelöscht werden. Was auf einem Blog schnell nachträglich kaschiert werden kann, wird bei einem Magazin vorher durch ein Lektorat und unzählige Hände und Augenpaare gereicht. Und auch wir Blogleser neigen zum schnellen Artikelsnack mit möglichst viel Bild, wenig Text und schnellem Fazit.

"Es fehlt die Geduld, das Gelesene zu hinterfragen und macht uns zu Spielbällen von wirtschaftlichen und politischen Interessen."

Nicht falsch verstehen, ich liebe die Freiheit, die uns das Internet geschenkt hat. Schließlich erlaubt es mir auch meine Gedanken in die Welt zu posaunen, ohne auf das Okay eines Chefredakteurs oder Verlegers angewiesen zu sein. Die digitale Welt hat uns die Möglichkeit gegeben Debatten anzustoßen, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Diversität in die Medien zu bringen. Dies ist nur ein Appell, unsere Nachrichtenlandschaft nicht zu Twitter-Formaten verkümmern zu lassen. Nur wenn wir bereit sind in die etablierten Medien zu investieren, wird es weiterhin ausgebildete Fachleute geben, die den Dschungel aus Fake News und Meinungstrends unter die Lupe nehmen und dabei den Richtlinien, wie dem Pressekodex, treu bleiben.


Lang lebe der Print!